Was ist Intelligenz?
das Cattell–Horn–Carroll-Modell
Heute arbeitet man mit dem Cattell–Horn–Carroll-Modell, das Intelligenz in verschiedene Unterkomponenten aufteilt:
- fluide Intelligenz: Fähigkeit, neue Probleme zu lösen
- kristalline Intelligenz: durch Erfahrung und Bildung erworbene Wissen
Dieses Modell betrachtet zahlreiche kognitive Fähigkeiten wie Sprachverständnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Arbeitsgedächtnis und räumliches Vorstellungsvermögen in einer Art Flußdigramm mit Abhängigkeiten.
Dazu gibt es standardisierte Tests wie der Wechsler-Intelligenztest oder der Raven’s Progressive Matrices Test. Diese Tests sind allerdings stark abhängig von Bildungserfolg, Berufseinstieg, Einkommen und sogar Lebenserwartung.
Dennoch erfassen sie vor allem analytische Intelligenz – emotionale, kreative oder praktische Intelligenz.
Widersprüche!
Viele Jahrzehnte konnte man Intelligenz nur indirekt mithilfe von Intelligenztests annähernd bestimmen. Durch die moderne Wissenschaft ist es aber mittlerweile möglich Nervenzellen direkt beim „arbeiten“ zuzusehen. Man kann also mitverfolgen welche Bereiche sich bei welchen Aufgaben aktivieren.
Tatsächlich aktivieren sich bei unterschiedlichsten Aufgaben (Vervollständigung von Zahlenreihen, Drehen von abgebildeten Figuren in der Vorstellungskraft, ungeordnete Buchstaben zu einem sinnvollen Wort zusammensetzen, etc.) immer die selben Regionen.
Außerdem verbindet eine Art „weiße Substanz“ alle Areale des Gehirns miteinander, was ebenfalls nicht in das Howard Gardner Modell passt. Deswegen bevorzugen viele Forscher auch das Grundmodell und erkennen in diesem immer gleich aktivierten Areal die „allgemeine Intelligenz“.
Es ist bereits lange bekannt, dass Männer und Frauen durchschnittlich gesehen für bestimmte Aufgaben unterschiedliche Bereiche im Gehirn aktivieren. Dennoch können Menschen gleichermaßen begabt sein, also z.B. mathematische Aufgaben gleichschnell lösen, aber trotzdem verschiedene Gehirnregionen nutzen, auch wenn sie gleichen Geschlechts oder sogar eineiige Zwillinge sind.
Wie wird Intelligenz vererbt?
Genetik
Intelligenz hat er von der Mutter, das Aussehen vom Vater.
Intelligenz ist teilweise genetisch vererbt. Ihre Heritabilität (der Anteil der beobachteten Unterschiede, der genetisch erklärt werden kann) liegt:
- im Kindesalter: etwa 40 %,
- im Jugendalter: 50–60 %
- im Erwachsenenalter bis zu 80 %
Dieses Phänomen nennt man Wilson-Effekt und erklärt sich dadurch, dass Menschen im Laufe des Lebens stärker Umgebungen wählen, die zu ihren genetischen Neigungen passen.
Intelligenz kommt nicht vor allem vom X-Chromosom (Mutter), da es polygenetsich ist, d.h. es spielen tausende Gene eine Rolle die immer von beiden Elternteilen stammen. Es gibt allerdings einige Schlüsselgene, die primär auf dem X-Chromosom liegen. 3 Beispiele:
- CHRM2 (Cholinergischer Muskarinrezeptor 2): Dieses Gen ist wichtig für die Signalübertragung im Gehirn, insbesondere bei Gedächtnisbildung und Lernprozessen.
- FNBP1L (Formin Binding Protein 1-Like): Wichtig für Flexibilität und Entwicklung von Gehirnstrukturen
- NRG1 (Neuregulin 1): Eines der Wichtigsten für neuronale Kommunikation und nebenbei auch Schlüsselgen bei psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie.
Solche Gene beeinflussen immens die Effizienz von Synapsen, die Verknüpfung von Nervenzellen oder die Verarbeitungsgeschwindigkeit – alles Faktoren, die mit Intelligenzleistungen korrelieren.
Selbst mit einem „Polygenen Score“, der hunderte Genvarianten zusammenfasst, lässt sich die Intelligenz einer Person nur zu einem gewissen Grad vorhersagen (man schätzt etwa 25% Aussagekraft). Ein erheblicher Teil der genetischen Varianz ist noch unerklärt.
Umwelteinflüsse
Neben den Genetik sind Umwelteinflüsse ein zentraler Faktor für die Entwicklung von Intelligenz – vor allem in der Kindheit.
Frühkindliche Förderung, Sprachumgebung, elterliche Bildung, Ernährung, Stressbelastung und soziale Interaktionen können Intelligenz fördern oder hemmen.
Besonders eindrucksvoll zeigt das der sogenannte Flynn-Effekt: In fast allen Ländern der Welt sind die durchschnittlichen IQ-Werte in den letzten Jahrzehnten gestiegen – nicht durch Genetik, sondern durch verbesserte Bildung, Ernährung, Hygiene und kognitive Anforderungen im Alltag.
Im Gegenzug beeinflussen Belastungen wie Stress, Giftstoffe oder Mangelernährung die Entwicklung des Gehirns langfristig. Fatal ist die Entscheidung der Mutter während der Schwangerschaft Alkohol zu sich zu nehmen.
gesellschaftliche Aspekte
In vielen Gesellschaften spielt die Rolle der Mutter eine stärkere Rolle in der Erziehung eines Kindes.
Fazit: Intelligenz ist keine starre Struktur, die – einmal voll entwickelt – sich nie wieder ändern kann. Sie ist seit der Geburt eines jeden Tieres (FAQ) in ständiger Veränderung. Das Gehirn allein kann eine intelligente Leistung nicht alleine vollbringen. Es braucht einen Körper, der das Gehirn mit Sinnesreizen versorgen kann.
Text: @Infokomposter & @Anouk / Bluesky – Bildquelle: Titelbild + Baum + Schild „Versuch und Irrtum“ „Leistung“: Gerd Altmann/PhotoshopGraphics.com / pixelio.de