die Werbung
Kinder und Jugendliche: Gruppenzwang
Bei jungen Zielgruppen stehen soziale Anerkennung und das Gefühl der Zugehörigkeit im Mittelpunkt. Marketingstrategien sind gezielt darauf ausgelegt, das Bedürfnis zu bedienen, Teil der Gemeinschaft zu sein und sich gleichzeitig individuell zu positionieren.
- Einfluss von Idolen und Influencern: Werbebotschaften stammen nicht mehr direkt von Marken, sondern werden über bekannte Persönlichkeiten aus sozialen Medien wie YouTube, TikTok oder der Gaming-Welt vermittelt. Diese werden von jungen Menschen oft als vertraute Bezugspersonen wahrgenommen, was das Vertrauen in ihre Empfehlungen stärkt. Der Wunsch, ihnen nachzueifern oder zumindest ihre Produkte zu besitzen, wird dadurch gezielt geweckt.
- FOMO – Die Angst, etwas zu verpassen: Gezielt inszenierte Produktverknappung – etwa durch limitierte Editionen oder zeitlich begrenzte Angebote – erzeugt sozialen Druck. Wer bestimmte Artikel wie angesagte Sneaker oder Konsolen nicht besitzt, läuft Gefahr, aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden.
- Gamification als Verkaufsstrategie: Digitale Anwendungen und Spiele setzen auf Belohnungssysteme, die gezielt psychologische Reize auslösen. Fortschrittsanzeigen, virtuelle Auszeichnungen oder kleine Belohnungen motivieren Kinder und Jugendliche dazu, weiterzuspielen – und häufig auch Geld auszugeben.
Erwachsene: Status, Erfolg und emotionale Erfüllung
Im Erwachsenenalter gewinnen Statussymbole und die Verbindung von Produkten mit einem erfolgreichen Lebensstil zunehmend an Bedeutung. Marketingstrategien zielen darauf ab, diese Sehnsüchte gezielt anzusprechen.
- Identität durch Konsum: Hochwertige Markenartikel – etwa luxuriöse Uhren, Elektroautos oder exklusive Reisen – werden nicht als bloße Produkte vermarktet, sondern als Ausdruck von Erfolg, Selbstverwirklichung und gesellschaftlicher Stellung. Werbepsychologen wissen: Die Suche nach Anerkennung über materielle Werte begleitet den Menschen ein Leben lang.
- Das Phänomen der Warteschlange: Obwohl es irrational erscheinen mag, stundenlang für ein neues Smartphone anzustehen, dessen technische Neuerungen gering sind, ist dieses Verhalten ein Paradebeispiel für die Wirkung von Gruppendruck und Statusdenken. Der Kauf wird zur sozialen Inszenierung – das Produkt zum Symbol der Zugehörigkeit zu einer exklusiven Gemeinschaft.
- Moralische Legitimation des Konsums: Mit wachsendem Umweltbewusstsein setzen Unternehmen zunehmend auf ethische Botschaften. Begriffe wie „nachhaltig“, „fair produziert“ oder „verantwortungsvoll“ sollen dem Konsum eine moralische Rechtfertigung verleihen. So wird das Einkaufen nicht nur als Bedürfnisbefriedigung, sondern auch als Beitrag zu einer besseren Welt dargestellt – und das schlechte Gewissen elegant umgangen.
Eltern und Senioren: Sicherheit, Bequemlichkeit und Wertschätzung
Diese Zielgruppe schätzt Verlässlichkeit, gesundheitliche Aspekte und eine angenehme Nutzungserfahrung. Werbebotschaften sind hier meist zurückhaltender formuliert und setzen auf Vertrauen, Qualität und emotionale Nähe.
- Sicherheit als Verkaufsargument: Produkte, die dem Schutz von Kindern dienen, werden häufig mit emotional aufgeladener Sprache beworben. Aussagen wie „die sicherste Wahl“ oder „fördert die gesunde Entwicklung“ sprechen gezielt die Sorge von Eltern an, etwas falsch zu machen – und nutzen diese Ängste als Kaufanreiz.
- Vertrautheit durch Nostalgie: Retro-Designs und traditionelle Werte dienen als Brücke zur Vergangenheit und schaffen ein Gefühl von Sicherheit. Bekanntes wirkt beruhigend – und Marken nutzen diesen Effekt, um Vertrauen aufzubauen.
- Wertschätzung durch Schenken: Großeltern übernehmen oft eine aktive Rolle beim Kauf von Produkten für Kinder und Enkel. Werbung für Familienreisen, Spielzeug oder Kleidung spricht gezielt das Bedürfnis an, Fürsorge zu zeigen und emotionale Nähe zu vermitteln. Der Kauf wird so zum Ausdruck von Liebe und Anerkennung.
Es wird deutlich, dass psychologische Manipulation im Marketing nicht auf ein universelles Konzept setzt. Vielmehr handelt es sich um ein präzise abgestimmtes Mittel, das gezielt auf die Bedürfnisse, Werte und Lebensrealitäten unterschiedlicher Altersgruppen und sozialer Milieus zugeschnitten ist.
Kritik!
Es wird deutlich, welches Potenzial die junge Disziplin der Neuroökonomie in sich birgt und das viele Unternehmen ein großes Interesse daran haben, ihre Kunden (noch viel) besser zu verstehen.
Doch daran sind nicht nur Vorteile geknüpft. Denn bei einem noch besseren Verständnis der Hirnforschung in diesem Bereich, können Verbraucher auch gezielt(er) manipuliert werden und das in einer Form, die die bisherige Weise im bedrohlichen Ausmaß übersteigen kann.
Aber nicht nur die stetig ansteigende zum Teil starke Aufdringlichkeit der Werbung macht sie immer unbeliebter, auch die damit verbundene oft maßlose Ressourcenverschwendung, die eng verbunden mit dem Vortäuschen falscher Tatsachen einhergehen. Kritikpunkte sind hauptsächlich:
- Umweltverschmutzung durch unnötige Verpackungen
- Abhängigkeit der Menschheit
- Bewerbung gesundheitschädlicher Produkte
- Bewerbung von Produkten, die aus quälerischen Methoden erzeugt wurden (Massentierhaltung 1)Massentierhaltung = Unwort wegen Verharmlosung und Quälerei, Zucht 2)Tierzucht = Unwort wegen Übertreibung von Haustieren 3)Haustiere = Unwort wegen Versachlichung, Zucht von Nutztieren 4)Nutztiere = Unwort wegen Versachlichung und Quälerei )
- etc.
Es geht auch nicht nur um den Verpackungs(Inhalts)schwindel, sondern um einen vorgelebten Garten Eden, in dem es keine Schmerzen oder Leid gibt. Kühe und Schweine grinsen den Kunden glücklich an der Theke entgegen und Fische scheinen von selbst in die Pfanne springen zu wollen.
Bio – bessere Alternativen
Eine Alternative zu den oft umweltschädlichen wie auch quälerischen Produkten sind sogenannte Biowaren.
Seit 2001 gibt es ein staatliches Bio-Siegel. Das sechseckige Zeichen mit dem Schriftzug „Bio“ steht für die Kriterien der EG-Öko-Verordnung. Das Siegel definiert Mindestkriterien und ist im Wesentlichen vertrauenswürdig. Quelle: www.bund.net
Bio 5)Vorsicht: Nicht alles was nach Bio klingt ist es auch. Auf Siegel achten! steht für einen ökologischen Anbau, der 2012 rund 7,7 Prozent aller Äcker und Wiesen in Deutschland in Anspruch genommen hat. Was nach wenig klingt, beschäftigte bereits 23.000 Bio-Bauern – Tendenz steigend. Für den Rückgang des Trendes ist oft nur die begrenzt zur Verfügung stehende Fläche verantwortlich.
Lesen Sie weiter:
auf Seite 4: Auswege aus dem Kaufzwang
Anmerkungen