Entstehung sozialer Strukturen
die Selbstdomestizierung des Menschen
Die Sesshaftigkeit des Menschen machte ihn von seinen Gärten und Äckern abhängiger. Seine Kulturpflanzen und domestizierten 1)Domestizierung = Unwort wegen Beginn der Versachlichung Beutetiere wurden der natürlichen Selektion entzogen. Der Mensch erschuf neue kulturelle und soziale Regeln:
- Anpassung an jahreszeitliche Zyklen (richtiger Zeitpunkt für Aussaat und Ernte)
- Aufbewahrung eines Teils der Nahrung (Saatgut, Zuchttiere 2)Tierzucht = Unwort wegen Übertreibung)
- Aufgabenverteilung und Durchführung:
- Bewässerungsanlagen als Gemeinschaftsprojekt
- Schutz gegenüber verfeindeten Bauern und gefährlichen Wildtieren
- Kinderarbeit auf Feldern und Gehegen
- Eigentum von Ackerbauern und Hirten wuchs stetig
- Verteilung des Eigentums (bei Tod oder Aufteilung der Gruppen)
biologische Selbstselektion
- Lactosetoleranz in Gebieten mit Weidewirtschaft
- Veränderung des Amylase-Proteins für die besserer Verwertung von Weizen
- erhöhte Verbreitung von Krankheitserregern durch engeres Zusammenleben
- Beginn des Zeitalters der Arbeit in Einzel- oder Gemeinschaftsprojekten
die Erfindung von Mythen
Die Sesshaftigkeit des Menschen führte gleichzeitig zu der Entwicklung des Privateigentums und zum Leben in anonymen Gruppen, was den Umgang der Menschen untereinander auch erschweren konnte:
- Gibt es auch in Notzeiten Vertrauen aller Mitglieder?
- Wie können gewalttätige Konflikte untereinander vermieden werden?
- Wie tritt man fremden Horden gegenüber?
- Wie verteidigt man sein Hab und Gut vor Jägern und Sammlern?
- Kann das Bewässerungssystem immer in Stand gehalten werden?
- Wie kann ein möglichst fairer Handel realisiert werden?
Aus diesem Grund kam es wohl zu ersten Mythen (Vorläufer der Religionen), die eine große Horde von über 500 Menschen besser zusammen halten konnten, als der reine Überlebenswille jedes Einzelnen – auch weil es dem Menschen in großen Gruppen an biologischen Instinkt fehlt.
Gesetz und Ordnung
Große Menschengruppen, die sich zum Teil nicht persönlich kennen, aber dennoch eine funktionierende Gemeinschaft bilden müssen, benötigen für ihr Vertrauen untereinander „erfundene Ordnungen„.
Diese Ordnungen sind bis heute widersprüchlich 3)die uneingeschränkte Freiheit eines einzelnen Menschen schränkt die Freiheit anderer ein und sorgen deswegen immer wieder für kreative und dynamische Gesellschaften, aber auch für Konflikte 4)Deutungshoheit allein für die eigene Kultur beanspruchen.
Experten sprechen hier von „intersubjektiven Wirklichkeiten„, die nur durch den Glauben des Menschen existieren. Dazu zählen:
- Götter und Geister der Naturvölker
- die Schaffung von Imperien (Anspruch auf die gesamte Welt)
- Religionen beruhen auf „übernatürlichen Ordnungen“ statt menschlichen Vereinbarungen, die bald in aggressiver Konkurrenz zueinander standen (falscher Glaube wird noch heute bekämpft) und Kulturen
- die Schaffung von Ideologien (Kapitalismus, Kommunismus, Nationalismus)
- die Erfindung der Volks- und Betriebswirtschaft (Handel, Aktiengesellschaften, etc.)
- die Erfindung des Geldes
- uvm.
der Beginn der Arbeit
Vor der Sesshaftigkeit bestanden Tätigkeiten wie Jagen, Sammeln und Werkzeugherstellung. Mit der Sesshaftigkeit wandelten sich diese Tätigkeiten zu
Arbeit bedeutete nun Ackerbau – das Bestellen von Feldern, das Ausbringen von Saatgut und die Ernte. Sie umfasste die Manipulation von Beutetieren, deren Pflege, Zucht 5)Tierzucht hier noch kein Unwort, da noch keine Übertreibung und Nutzung als Ressource. Hinzu kam die Bauarbeit für Häuser, Vorratsspeicher und Bewässerungssysteme. Mit der Spezialisierung entstanden Handwerke wie Keramik, Textilproduktion und Metallbearbeitung.
Arbeit entstand, weil Vorräte geschützt und Eigentum gesichert werden mussten. Sie strukturierte den Alltag, führte zu Arbeitsteilung und Spezialisierung und wurde ab dem 4. Jahrtausend v.u.Z. in Städten wie Uruk zunehmend institutionalisiert. Abgaben, Arbeitsdienste und Verwaltung machten Arbeit zu einem gesellschaftlichen Fundament.
Anmerkungen
| ⇡1 | Domestizierung = Unwort wegen Beginn der Versachlichung |
|---|---|
| ⇡2 | Tierzucht = Unwort wegen Übertreibung |
| ⇡3 | die uneingeschränkte Freiheit eines einzelnen Menschen schränkt die Freiheit anderer ein |
| ⇡4 | Deutungshoheit allein für die eigene Kultur beanspruchen |
| ⇡5 | Tierzucht hier noch kein Unwort, da noch keine Übertreibung |