Vor- und Nachteile menschlicher Gemeinschaftsgefüge
Einst entwickelten sich vermutlich z.B. Religionen, um in große Menschengruppen ein Gemeinschaftsgefühl hervorzurufen. Heutzutage hat der Mensch noch sehr viel mehr Möglichkeiten sich zugehörig zu fühlen, die zum Teil extrem negativ ausarten können.
Unweigerlich stößt man dabei über die Begriffe Patriotismus und Nationalismus, die zwar einer relativ festen Defintion folgen, jedoch auch sehr viel Interpretationsspielraum bieten.
Patriotismus
- aus dem lateinischen Wort ¸patria` – Bedeutung: Vaterland, Heimat
- Bekenntnis zu den demokratischen Grundlagen der Gesellschaft
- zur Verteidigung der Grundrechte, Menschenrechte und Verfassung
- entwickelte sich im Zuge von Staatsbildung und Demokratisierung (Amerikanischen oder Französischen Revolution)
- eng verbunden mit dem Gedanken der Bürgerschaft, Verantwortung und Rechtsgleichheit
Nationalismus
- Ideologie, die die Merkmale der eigenen ethnischen Gemeinschaft (z.B. Sprache, Kultur, Geschichte) überhöht
- übersteigertes Verlangen nach Einheit von Volk und Raum (statt Individuen wird eine „homogene Volksmasse“ bevorzugt, die eigene Ziele dem der Nation komplett unterordnet)
- nicht zur Nation Zugehörige (fremdgeboren, kritisch) werden ausgegrenzt, als minderwertig angesehen oder verfolgt
Geschichte des Patriotismus
- Erstnennung: im Jahre 1724 – Theologe, Gelehrter und Dichter Michael Richey, Mitglied der „Patriotischen Gesellschaft“ in Hamburg
Ab dem 18. Jahrhundert gab es viele „Patriotische Gesellschaften“ mit einem rein positiven Image. Erst seit populistische und rechte Gruppen (Pegida, Afd, etc.) den Begriff für sich in Anspruch genommen haben und damit Ablehnung von geflüchteten Menschen oder auch offen fremdenfeindliche Haltungen propagieren, hat der Patriotismus-Begriff stark gelitten.
Völlig ohne Skrupel gebrauchen solche Gruppierungen Parolen und Symbole der friedlichen Revolution oder berufen sich auf die christliche Religion.
Ein Patriot ist jemand, der sein Vaterland liebt, ein Nationalist ist jemand, der die Vaterländer der anderen verachtet. – Bundespräsident Johannes Rau, 1999
Es ist aber immer möglich, das eigene Vaterland zu „lieben“ und dennoch andere Völker und Menschen mit Respekt und Achtung zu begegnen – „Transnationale“ Identitäten sind somit in der Masse nicht nötig. Patriotismus ist immer solidarisch.
Er basiert nicht auf Herkunft, Ethnie oder Abgrenzung, sondern auf gemeinsamer Verantwortung für die Gemeinschaft. Sogar bis hin zu transnationaler Solidarität, wie in Klimabewegungen, Entwicklungsprojekten über Landesgrenzen hinaus.
Man hört es oft: „Ich bin stolz, Deutscher zu sein!“ Oder auch: „Was soll dieser ganze Nationalstolz – dafür kann man doch nichts!“ Beide Sätze haben einen wahren Kern. Denn ja – niemand sucht sich aus, wo er geboren wird.
Niemand hat sich das Deutschsein, Polnischsein oder Türkischsein selbst verdient. Und trotzdem: Es ist nicht verkehrt, sich mit seinem Land verbunden zu fühlen. Im Gegenteil: Ein gesunder Patriotismus kann etwas richtig Gutes sein. – @Infokomposter / Bluesky
Der „gute“ Patriotismus ist trotzdem immer die Vorstufe zum Nationalismus. Statt dem Patriotismus ist es vielleicht besser es als Teilhabe an der Gesellschaft zu beschreiben, in der ein Mensch lebt.
Eine deutsche Person, die perfekt französisch sprechend in eine französische Stadt zieht lebt welchen Patriotismus?
Eine Ländergrenze ist nur eine Verwaltungseinheit, die Sprache nur ein Kommunikationsmittel. Statt Patriotismus sollte man es vielleicht besser Heimatverbundenheit nennen. – @Grantalf the White / Bluesky
Es besteht immer die Gefahr, dass Patriotismus ins Negative kippt und in nationaler Arroganz, Chauvinismus und übersteigertem Nationalismus endet.
Ist Patriotismus in der Neuzeit abzulehnen?
Diese Frage muss sich jeder Mensch selbst beantworten.
Die Welt wird immer komplizierter, komplexer – was es also dringend braucht ist ein Zusammenhalt unter den Menschen. Gerade in Krisen – ob Pandemie, Klimakrise oder soziale Spaltung – die Gesellschaft muss zusammenstehen, egal auf welche Bezeichnung man sich einigt.
Es heißt nicht „Deutschland über alles“, sondern „Wir gestalten gemeinsam“. Patriotismus ist nicht laut und aggressiv, sondern verantwortungsbewusst. – @Infokomposter / Bluesky
Wichtig ist und bleibt, den markanten Unterschied zum Nationalismus zu kennen.
Geschichte des Nationalismus
Noch im Mittelalter bezeichnete der Begriff „Nation“ vor allem eine Gemeinschaft von Menschen. Erst im 18. und 19. Jahrhundert änderte sich das Verständnis, was sich je nach Land unterschied:
- nach der Revolution in Frankreich: Nationsverständnis, vor allem auf der Gemeinschaft, dem Bekenntnis zur französischen Nation und deren Werte
- in Deutschland: Nationsverständnis eher als sprachlich bedingte Kulturnation, zu der alle Menschen automatisch zählten, die deutsch sprachen – erst ab 1871 mit Gründung des deutschen Reiches Deutsche Nation auch als Staatsgebilde
Bald stellte das deutsche Reich Gebietsforderungen z.B. an Österreich und das Elsass. Und als Hitler zum sogenannten Führer ernannt wurde, zeigte sich der Nationalismus nur noch von seiner aggressiven Seite.
Seine „Blut und Boden“-Ideologie und das Bestreben nach „Lebensraum“ im Osten wurde zusammen mit der rassenbiologischen Komponente als auch der Expansionswille zum Desaster für die gesamte Welt.
Aus Nachbarn wurden Fremde, aus Vielfalt wurde Bedrohung. Nationalismus schürt auch heutzutage noch Misstrauen, Hass und Spaltung. Mit einfachen Parolen werden Ängste geschürt, aber keine Probleme gelöst.
Nationalismus ist immer eng, feindselig und rückwärtsgewandt.
Die IB propagiert einen europäischen Ethnopluralismus, wonach nur die räumliche und kulturelle Trennung unterschiedlicher Ethnien die Identität und das Fortbestehen von Völkern und Kulturen gewährleisten könne.
Die ethnopluralistische Vorstellung von an bestimmte Territorien gebundenen Völkern entspricht der rechtsextremistischen „Blut und Boden“-Ideologie, wobei der Begriff der „Rasse“ durch eine angebliche „ethnokulturelle Identität“ ersetzt wird. – Quelle: www.verfassungsschutz.bayern.de
Deutscher Rechtsextremismus sieht die eigene Nation als den Antrieb für alles Handeln und die biologische Abstammung für unabdingbar. Rechtsextremisten haben besonders Angst vor Zuwanderung (drohender deutscher Volkstod) und Vielfalt und sind daran auch sehr leicht erkennbar.
Quellen:
www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17999/patriotismus/
www.verfassungsschutz.bayern.de/rechtsextremismus/definition/ideologie/nationalismus/index.html
www.baks.bund.de/de/arbeitspapiere/2016/patriotismus-heute-definition-eines-zu-unrecht-diskreditierten-begriffs
www.kas.de/documents/252038/253252/patzelt.pdf/0f51c46e-a903-6e7d-8fe5-059209a33412
Text: @Infokomposter & @Anouk / Bluesky – Bildquelle: Franz Bachinger / Pixabay