die Entwicklung der Be- und Entwässerungssysteme
Schon 4000 v.u.Z. bauten die Sumerer in Mesopotamien (heute Irak) erste Bewässerungskanäle an Euphrat und Tigris. Diese frühen Systeme ermöglichten es, die fruchtbaren Schwemmlandebenen zu nutzen und bildeten die Grundlage für die Entstehung der ersten Städte wie Ur und Babylon.
Noch beeindruckender waren die Städte Harappa und Mohenjo-Daro, sie hatten um 2600 v.u.Z. überdachte Abwasserkanäle, öffentliche Bäder und sogar private Toiletten – technisch ihrer Zeit weit voraus. Im antiken Persien entstanden um 500 v.u.Z. auch die Qanate – unterirdische Kanäle, die Gebirgswasser in Wüstenregionen leiteten.
Die Römer perfektionierten die Wassertechnik.
312 v.u.Z. entstand mit der Aqua Appia das erste große Aquädukt Roms. Insgesamt elf Aquädukte versorgten die Stadt, das längste (Aqua Marcia) über 91 Kilometer. Die berühmte Pont du Gard in Frankreich transportierte im 1. Jahrhundert n.u.Z. Wasser nach Nîmes – dreistöckig und 49 Meter hoch über das Gardon-Tal. Es gilt als eines der besterhaltenen römischen Bauwerke.
Parallel dazu schuf die Cloaca Maxima (ursprünglich ein offener Kanal aus dem 6. Jahrhundert v.u.Z.) eines der ersten großen Abwassersysteme.
Nach dem Ende des Römischen Reiches ging viel Wissen verloren. Erst im Hochmittelalter entstanden wieder systematische Lösungen. London bekam 1237 das „Great Conduit“ – eine Bleirohr-Wasserleitung aus Tyburn.
1804 installierte Paisley aus Schottland die erste öffentliche Wasserversorgung mit Dampfpumpen. London führte 1829 Sandfilter ein, Hamburg folgte 1848 mit dem ersten modernen deutschen Wasserwerk – Berlin 1856 mit dem Wasserwerk auf dem Stralauer Stadtgut.
Die Cholera-Epidemien des 19. Jahrhunderts brachten den Durchbruch: 1854 bewies John Snow in London den Zusammenhang zwischen verunreinigtem Wasser und Krankheiten. Joseph Bazalgette baute daraufhin 1859-1875 ein revolutionäres Abwassersystem mit etwa 1600 Kilometer Kanälen.
Der nächste Schritt verlief 1908 mit der Chlorierung des Trinkwassers in Jersey City, Deutschland führte dieses System 1913 ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden moderne Kläranlagen – 1951 nahm München das erste große deutsches Werk nach amerikanischem Standard in Betrieb und Deutschland gilt heute mit über 10.000 Kläranlagen als Vorreiter der Abwassertechnik.
Von mesopotamischen Kanälen bis zu modernen Hightech-Anlagen zeigt die Wassertechnik-Geschichte: Sauberes Wasser und funktionierende Abwasserentsorgung sind das Fundament jeder Zivilisation und Städtebau.
In Deutschland gibt es grundsätzlich zwei Abwassersysteme:
- Trennsysteme (neuer) – Regenwasser, Straßengullis etc direkt in Bäche geleitet, Brauch-Abwasser (Toilette, Waschmaschine etc) in Kläranlage
- Mischsysteme (älter) – gesamtes Abwasser geklärt
Text: @Infokomposter / Bluesky – Bildquelle: Manfred Richter / Pixabay