Pilz ernährt sich von Radioaktivität
Cladosporium sphaerospermum ist ein melaninhaltiger Pilz der eine außergewöhnliche Fähigkeit besitzt: Er kann ionisierende Strahlung, etwa die von radioaktiven Quellen, nicht nur tolerieren, sondern sie aktiv nutzen, um zu wachsen und Energie zu gewinnen.
Diese Fähigkeit wird als „Radiotrophie“ bezeichnet, eine einzigartige Anpassung an extreme Lebensbedingungen. Der Pilz gehört zur Gruppe der Schwarzen Hefen, also Pilze mit einer dunklen Pigmentierung durch Melanin.
Dieses Pigment schützt die Zellen nicht nur vor UV-Strahlung, sondern ermöglicht ihm Strahlungsenergie in eine für ihren Stoffwechsel nutzbare Form umzuwandeln. Ursprünglich wurde der Pilz in recht normalen Umgebungen wie Boden, Luft und auf Pflanzen gefunden.
Was ihn jedoch einzigartig macht, ist seine Widerstandsfähigkeit gegen extreme Bedingungen. In strahlenreichen Umgebungen wie den Reaktorruinen von Tschernobyl gedeiht der Pilz sogar besonders gut – und dadurch ist er so interessant.
Das Prinzip der Radiotrophie
Die Radiotrophie lässt sich in etwa mit Photosynthese vergleichen. Während Pflanzen Lichtenergie in chemische Energie umwandeln, nutzt der Pilz die Energie aus ionisierender Strahlung. Das Melanin des Pilzes absorbiert ionisierende Strahlung und verändert dadurch seine elektronische Struktur.
Dieses angeregte Melanin kann Elektronen freisetzen und so biochemische Reaktionen im Zellstoffwechsel fördern. Diese Elektronen tragen zur Erzeugung von Energie in der Zelle bei, wodurch der Pilz unter Strahlenbelastung schneller wächst.
C.S. kann auch kosmische Strahlung auf Raumschiffen oder fremden Planeten abschwächen. Experimente auf der ISS zeigten, dass der Pilz eine biologische Schutzschicht gegen kosmische Strahlen bieten kann.
Merkmale
Der Pilz ist weltweit verbreitet und wird häufig in Raumluftproben gefunden. Sein Temperatur-Optimum liegt bei 25 °C, was ihm einen Kolonisierungsvorteil in Innenräumen verleiht. Imunschwache Menschen und andere Tiere (FAQ) können sich durch ihn infizieren, aber auch erfolgreich dagegen behandelt werden.
Cladosporium sphaerospermum zeichnet sich durch langsames Wachstum und weitgehend asexuelle Fortpflanzung aus. Er besteht aus einem Komplex schlecht identifizierbarer Arten. Die Pilzkolonien sind samtig in der Textur und abgeflacht, sowie verzweigt und dunkel.
Als Eindringling aus totem oder sterbendem Pflanzengewebe, kann er Energie ua. durch die Umwandlung von Stärke erzeugen und durch Kohlenstoffquellen wachsen.
Verbreitung
- Übertragung durch die Luft
- Vorkommen im tropischen Klima, sowie Europa in Boden- und Pflanzenumgebungen
- Vorkommen in menschlichen Behausungen (Küche, Bad, alte Gemälde)
- Vorkommen auf Gips und verwesenden Pflanzenblättern, Obst Gemüse und Weizen
Quellen:
zkbs-online.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Stellungnahmen/Pilze/Cladosporium_sphaerospermum_2016.pdf
wikipedia
Text: @Infokomposter @Anouk / Bluesky – Bildquelle: kalhh / Pixabay