der sechste Sinn des Menschen
Schon sehr lange sind die 5 klassischen Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten/Fühlen) des Menschen bekannt. Es existieren jedoch noch weitere (Berührungen und Druck, Kälte, Wärme, Schmerz und Vibration).
Der Mensch kann auch Informationen über seinen eigenen Zustand vermitteln:
- das Gleichgewicht zur Wahrnehmung der Lage des Körpers im Raum
- das Sinnessystem, das für Bewegungen und Stellung der Körperteile und Gelenke verantwortlich ist (Reize von Innen)
- uw.
2008 hat Wolfgang Auer die menschlichen Sinne in 12 gruppiert:
- Körpersinne (Tastsinn, Bewegungssinn, Gleichgewichtssinn, Vitalsinn [Hunger, Durst, Müdigkeit])
- Wächtersinne (Geruchs-, Geschmack- und Wärmesinn) und
- kommunikative Sinne (Hör-, Seh-, Gestalt-, Bedeutungs- und Stilsinn)
der sechste Sinn
Jeder Mensch kennt es: auf unerklärliche Weise fühlt man sich ohne ersichtlichen Grund beobachtet. Es ist ein Phänomen, das seit Jahrhunderten beschrieben wird. Dieses subjektive Empfinden, auch „Staring Detection“ genannt – ist eine echte, unbewusste Fähigkeit oder lediglich ein psychologischer Trugschluss?
Die Wissenschaft geht das mit psychologischer Forschung und neurobiologischer Analyse an. Bekannt ist, dass das menschliche Gehirn besonders gut darauf trainiert ist, soziale Signale wie Blicke zu erkennen.
In bestimmten Arealen des Gehirns – etwa im superioren temporalen Sulcus und in der Amygdala – finden sich Nervenzellen, die gezielt auf Augenbewegungen und Blickrichtungen reagieren.
Diese Fähigkeit ist evolutionär erklärbar: Es war für das Überleben entscheidend, frühzeitig zu erkennen, ob ein Mensch von jemandem beobachtet, bedroht oder unterstützt wird. Diese Blickverarbeitung erfolgt oft unbewusst.
So zeigen Studien, dass schon minimale Augenbewegungen im peripheren Sichtfeld – also am Rand des Sehens – neuronale Reaktionen auslösen können, ohne dass die Reize bewusst vom Menschen wahrgenommen werden.
Das sogenannte „Gaze Cueing“ beschreibt, dass Menschen automatisch ihre Aufmerksamkeit in die Richtung eines wahrgenommenen Blicks lenken, selbst wenn dies für ihre aktuelle Aufgabe irrelevant ist.
Solche automatischen Reaktionen zeigen, wie tief verankert die Wahrnehmung von Blicken im menschlichen Gehirn ist. Trotzdem bleibt das spezifische Gefühl, „angeschaut zu werden“, ohne jemanden direkt zu sehen, wissenschaftlich umstritten.
Parapsychologische Studien wie z.B. von Rupert Sheldrake behaupten, dass Menschen dieses Gefühl häufiger als zufällig korrekt haben. In diesen Studien konnten Probanden angeblich überzufällig vorhersagen, ob sie von hinten beobachtet wurden.
Diese Arbeiten wurden jedoch vielfach kritisiert, da sie methodische Schwächen aufwiesen, wie unzureichende Verblindung oder Suggestibilität der Versuchspersonen.
Solider belegte psychologische Studien kommen hingegen zu differenzierteren Ergebnissen. Sie zeigen, dass Menschen in der Lage sind, subtile visuelle Hinweise zu verarbeiten, selbst wenn sie diese nicht bewusst erkennen. Es sind also meist unbewusste visuelle oder andere sensorische Reize, die das Gefühl „beobachtet zu werden“ auslösen.
Zum Beispiel auch, das der Gesprächspartner gegenüber die beobachtende Person wahrnimmt und dessen Mikromimik von einem selbst registriert wird. Hinzu kommt eine Reihe kognitiver Verzerrungen, die das Phänomen verstärken.
Besonders relevant ist hier der Bestätigungsfehler: Menschen erinnern sich vor allem an jene Momente, in denen sich das Gefühl des Beobachtetwerdens bestätigt hat, während sie gegenteilige Fälle eher vergessen.
Auch soziale Ängstlichkeit oder eine generelle Wachsamkeit gegenüber sozialen Signalen können das Empfinden verstärken, beobachtet zu werden – selbst wenn objektiv kein Hinweis darauf besteht.
Fazit:
Die Fähigkeit, Blicke zu erkennen, ist zweifellos real, gut belegt und tief in der Neurobiologie des Menschen verwurzelt. Dass man sich „angeschaut fühlt“, ist also oft eine Reaktion auf minimale Hinweise, die das Gehirn automatisch interpretiert.
Es gibt allerdings keinerlei wissenschaftlich fundierte Belege, dass Menschen ohne jeglichen sensorischen Input zuverlässig erkennen können, ob sie beobachtet werden. Der Effekt der „Staring Detection“ ist daher eher als Zusammenspiel aus unbewusster Wahrnehmung, evolutionär bedingter Blicksensibilität und psychologischer Interpretation zu verstehen und kein Beweis für einen bisher verborgenen menschlichen Sinn.
Quellen:
menden.de
Heimat- und Sachkunde – Die Sinne des Menschen – Klassenstufen 3/4 – Impulsbeispiel für die Lehrplanimplementation
Text: @Infokomposter & @Anouk / Bluesky – Bildquelle: Hal Gatewood / Pixabay