der älteste Globus (Himmel / Sterne) der Welt
Yunus ibn al-Husayn al-Asturlabi war ein bedeutender Astronom und Instrumentenbauer, der im Jahr 1144 einen außergewöhnlichen Himmelsglobus schuf – heute bekannt als der Globe céleste des Louvre. Dieses wissenschaftliche Instrument zählt zu den ältesten erhaltenen arabischen Himmelsgloben und stammt vermutlich aus Isfahan im heutigen Iran.
Merkmale des Globus
- Material und Technik: Der Globus besteht aus Bronze und ist mit Silber graviert und verziert. Die Gravuren sind in kufischer Schrift ausgeführt, einer kunstvollen arabischen Schriftform.
- Größe und Gewicht: Der Globus hat einen Durchmesser von etwa 16,5 cm und wiegt rund 4,7 kg.
- Konstruktion: Er ist an einem Meridian aufgehängt und zeigt die Positionen von 1025 Fixsternen, deren Helligkeit durch unterschiedlich große Silberpunkte dargestellt wird.
Astronomische Inhalte
- Sternbilder und Zodiak: Der Globus enthält die 48 klassischen Sternbilder, wie sie im Almagest des griechischen Astronomen Ptolemäus beschrieben sind. Diese wurden jedoch teilweise angepasst – etwa durch neue Namen, dekorative Elemente oder die Entfernung von Nacktdarstellungen, um islamischen Vorstellungen zu entsprechen3.
- Abjad-Notation: Die Sterne sind zusätzlich mit der alphanumerischen Abjad-Schrift versehen, die ihre Magnituden klassifiziert.
- Präzession der Äquinoktien: Eine Inschrift auf dem Globus verweist auf die Berücksichtigung der Zeitdifferenz zwischen den Berechnungen Ptolemäus’ und dem Jahr 540 der Hidschra (1144 n.u.Z.), was auf ein Verständnis der Erdachsenbewegung hindeutet.
Nutzung und Bedeutung
Der Globus wurde vermutlich zusammen mit einem Kompass und sogenannten Zij-Tabellen verwendet – astronomischen Tabellen zur Berechnung von Sternpositionen und Kalenderdaten. Er diente nicht nur der Himmelsbeobachtung, sondern auch als Lehrmittel und Ausdruck wissenschaftlicher Exzellenz.
Vorteile des Himmelsglobus
Keine Verzerrung Sternkarten sind flache Projektionen des Himmels, was zwangsläufig zu Verzerrungen führt – besonders in der Nähe der Ränder. Ein Globus hingegen bildet die Himmelskugel dreidimensional und unverzerrt ab.
Räumliches Verständnis Der Globus erlaubt ein intuitives Erfassen der Positionen von Sternen und Sternbildern in Bezug auf die gesamte Himmelskugel. Man kann sich vorstellen, in der Kugel zu stehen und den Himmel um sich herum zu sehen – wie in einem Planetarium.
Analoges Recheninstrument Früher diente der Globus auch als Rechenhilfe: Mit einem passenden Erdglobus konnte man Sternpositionen und Himmelsbewegungen analog nachvollziehen – ganz ohne digitale Hilfsmittel.
Universelle Darstellung Ein Globus kann für jeden beliebigen Ort auf der Erde eingerichtet werden. Sternkarten hingegen sind meist auf bestimmte Breitengrade oder Zeiträume beschränkt.
Historischer Kontext
In der islamischen Wissenschaft des Mittelalters – etwa bei Yunus ibn al-Husayn al-Asturlabi – war der Himmelsglobus nicht nur ein wissenschaftliches Instrument, sondern auch ein Symbol für das geozentrische Weltbild: Die Erde im Zentrum, umgeben von einer kristallinen Himmelskugel, auf der die Sterne befestigt sind. Der Globus spiegelte dieses Weltbild perfekt wider.
Natürlich haben Sternkarten ihre eigenen Stärken – etwa die einfache Handhabung für bestimmte Uhrzeiten und Orte. Aber wenn es um Präzision, Ästhetik und das vollständige Erfassen des Himmels geht, ist der Globus ein echtes Meisterwerk.
Ältere Beispiele
Gerbert von Aurillac (ca. 10. Jahrhundert) Bereits gegen Ende des 10. Jahrhunderts beschreibt Gerbert – später Papst Silvester II. – die Konstruktion eines Himmelsglobus in einem Brief. Zwar ist kein physisches Exemplar erhalten, aber die Beschreibung zeigt, dass solche Instrumente schon damals existierten.
Griechisch-römische Antike Es gibt Hinweise auf Himmelsgloben aus der Antike, etwa im Werk von Claudius Ptolemäus. Ein besonders bemerkenswertes Exemplar aus dem griechisch-römischen Altertum ist im Römisch-Germanischen Zentralmuseum dokumentiert – es gilt als der einzige vollständig erhaltene Himmelsglobus aus dieser Epoche.
Martin Behaim (1492) Zwar handelt es sich bei Behaims „Erdapfel“ um einen Erdglobus, nicht um einen Himmelsglobus – aber er ist der älteste erhaltene Globus überhaupt.
Was macht den Globus von al-Asturlabi besonders?
Er ist der älteste vollständig erhaltene arabische Himmelsglobus mit über 1000 Sternen.
Er zeigt ein hohes Maß an astronomischer Präzision und kultureller Anpassung (z. B. islamisierte Sternbilddarstellungen).
Er ist ein seltenes Beispiel für die Verbindung von Wissenschaft, Kunst und Spiritualität im mittelalterlichen Islam.
| Jahr | Globus & Erschaffer | Herkunft | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| ca. 150 n. Chr. | Antiker Himmelsglobus (vermutlich Ptolemäisch) | Römisch-Griechische Antike | Der älteste vollständig erhaltene Himmelsglobus, heute im Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz. |
| ca. 980 | Gerbert von Aurillac | Frankreich | Beschreibt in einem Brief die Konstruktion eines Himmelsglobus – kein Exemplar erhalten, aber historisch bedeutsam. |
| 1144 | Yunus ibn al-Husayn al-Asturlabi | Islamische Welt (vermutlich Isfahan) | Der älteste erhaltene arabische Himmelsglobus mit über 1000 Sternen – heute im Louvre. |
| 1541/1551 | Gerhard Mercator | Flandern | Erd- und Himmelsglobus als Paar – präzise und künstlerisch gestaltet, wegweisend für die Kartografie. |
| ca. 1673 | Ferdinand Verbiest | China | Himmelsglobus für den chinesischen Kaiser – Beispiel für interkulturellen Austausch in der Wissenschaft. |
| 1728–1750 | Johann Gabriel Doppelmayr | Nürnberg | Barocker Himmelsglobus mit Kupferstich-Segmenten, zeigt auch Kometenbahnen – sehr verbreitet im 18. Jahrhundert. |
| 1750er | Peter Anich | Tirol | Kombiniert Himmelsglobus mit dem „Astrodicticum simplex“ – ein Hilfsinstrument zur Sternidentifikation. |
Diese Globen waren nicht nur wissenschaftliche Instrumente, sondern auch Prestigeobjekte – oft kunstvoll gestaltet und in fürstlichen Bibliotheken oder Observatorien aufbewahrt. Sie zeigen, wie sich das Verständnis des Himmels über die Jahrhunderte verändert hat und wie verschiedene Kulturen ihre astronomischen Erkenntnisse visualisierten.
Text: @Infokomposter & @Anouk / Bluesky – Bildquelle: Pexels / Pixabay