auf der Pirsch

hirsch

Bereits Ende April kontrolliert der Jäger ungeduldig seine Hochsitze und schaut nach den sogenannten Plätz- und Fegestellen. Ab dem 1. Mai, der in diesen Kreisen ebenfalls als Feiertag gilt, schießen Menschen wieder auf Wildtiere und begründen dies meist mit der Tatsache?! der Natur stark verbunden zu sein.

Ich habe mir mal zwei aktuelle Jagdzeitschriften (Mai / 2012) gegriffen, um vielleicht doch herausfinden zu können, was der Spaß am Töten mit Naturverbundenheit zu tun hat. Logischerweise stöst man dabei auf Altbekanntes, was den Jäger unverzichtbar machen soll, allerdings habe ich auch über manches behördliches Vorgehen in höchst negavtiver Weise staunen müssen.

Jägerlatain!

Die Zeitschrift Deutsche Jagd-Zeitung“ begrüßt den Leser mit den Worten:

Freudentage

[...]Wenn alles grünt und aufblüht, gerät jeder naturverbundene Mensch in Aufbruchsstimmung. [...] Dieser Aufbruch zur Jagd hat schon ein Vorspiel im April [...] verderben Sie sich nicht durch zu viele Auflagen die Freude am eigentlichen Jagen. [...] Es ist genug Rehwild da. [...] Ich finde, gerade das Rehwild bietet [...] die Möglichkeit zu unbeschwerten Jagen. Und das wollen wir doch, oder?

Der Autor und Chefredakteur dieser Zeitung verfolgt hier eindeutig das Ziel, seinen Lesern den Jagd„sport“ schmachhaft zu machen, hält aber auch mit der Wahrheit nicht hinterm Berg. Ja, Jäger wollen unbeschwert im Wald herumballern – Ja, Jäger haben Freude daran, wenn sie einer anderen Tierart (FAQ) beim Sterben zusehen – Ja, Jäger morden sehr gern!

Wer ist angesichts dieser Tatsachen schon überrascht – außer dem Jäger selbst wohl niemand! Außerdem bestehen die feinen Damen und Herren des Jagd„sports“ an dieser Stelle in den meisten Fällen auf ein dickes, fettes ABER!

  • ohne Jäger würde das Wild den gesamten Wald zerstören
  • ohne Jäger würde der Wald vor Wild aus allen Nähten platzen
  • usw.

Kritik erlaubt!

Dennoch – in dieser Zeitschrift kommen auch kritische Stimmen zu Wort. Kann es beispielsweise sein, dass ein Beamter auch gleichzeitig ein sogenannter Jagdschul-Betreiber ist? Dem Beamten wird ua. vorgeworfen keine unabhängige Amtsführung leisten zu können, da er sich nur selbst überwachen muss. Außerdem sind seine Angestellten zum Teil auch noch Prüfer für die besagten Kontrollen und er selbst hat Einsicht auf Prüfungsfragen seiner angehenden Intressensgenossen. Der Fall wird derzeit geprüft!

Die Wut der wahren Naturfreunde darf sich aber nicht allein auf die Jäger selbst richten. In Rheinland-Pfalz hat beispielsweise ein sogenanntes Jagd-Revier mit einem wildgewordenen Bürgermeister zu kämpfen. Dieser würde gern die Mordrate an deutschen Wildtieren im besagten Gebiet verdoppeln, anderfalls müsste auf jedes nicht getötete Wildtier 1.000 Euro Stafe gezahlt werden!

Dieser Unsinn überrascht selbst den Autor des dazugehörigen Artikels (aus der Zeitschrift), der diesen deswegen: Ein unmoralisches Angebot“ nennt. Glücklicherweise handelt es sich dabei aber nur um ein Angebot, heißt es im Artikel weiter. Für die Mordstatistik bedeutet dies folgendes:

Tierart Vorjahr neues Angebot Anstieg in %
Rehwild 14 28 + 100
Schwarzwild 6 9 + 50
Muffelwild 9 14 + 50
gesamt 29 51

Ein Jäger meint dazu:

Es ist zumindest zeitweise möglich, in einem Revier von 245 Hektar bejagbarer Fläche einen Abschuss von 28 Rehen hinzubekommen. [...] aber nur möglich, wenn ich auf alles Dampf mache, was ich sehe. Es sollte für uns Jäger selbstverständlich sein, auf verbissgefährdeten Kulturflächen den Jagddruck zu erhöhen. [...] Aber ich vermute, das hier behördliche Willkür vorliegt. [...]

Ich würde den Abschussplan für ein Jahr eingehen, wenn ich für jedes mehr erlegte Stück Wild 1.000 Euro erhalte!

Was so hoffnungsvoll beginnt, nämlich die Erkenntnis hier auf Willkür gestoßen zu sein, endet in altbekannter Selbstverherrlichung. Was soll schon schlimm daran sein, für jedes zusätzlich ermordete Wildtier 1.000 Euro zu erhalten? Diese Zeilen müsen für die Mehrzahl der Jäger doch wie das oft erträumte Schlaraffenland klingen, oder nicht?

Hinweis nebenbei: Die immer beliebter werdende Piratenpartei, die sich jüngst aus Protest gegründet hat, ist für den privaten Waffenbesitz in Deuschland. Die deutsche Jagdzeitung jubelt -> v„ermutlich mehr, als irgendeine andere deutsche Partei“.

Zum Thema Waffenrecht sagt sie:

Das Thema ist stark durch emotionale Standpunkte charakterisiert und wird zu wenig rational behandelt. [...] selten sachliche Berichterstattung durch die Medien [...] die zu Einschränkungen der Persönlichkeitsrechte von legalten Waffenbesitzern geführt hat.

Die Konsequenz sollte hier klar sein - wenn dies wirklich stimmt ist diese Partei unwählbar! Denn sie sieht zwar das Persönlichkeitsrecht zu stark eingeschränkt, aber andererseits möchte die Piratenpartei vielen Menschen erst die Möglichkeit verschaffen, andere Menschen zu verletzen oder gar zu töten. Schusswaffen gehören nach meiner Meinung überhaupt nicht in Menschenhände, weil sie dadurch SELBST den meisten Schaden verursachen, sowohl bei der eigenen als auch bei anderen Tierarten!

Außerdem glauben Menschen gern daran in den meisten Fällen rational handeln zu können, doch das ist ebenfalls nur eine Wunschvorstellung. (siehe den Artikel: Faktoren der Risikowahrnehmung) Zitat aus dem Artikel:

Emotionen haben gegenüber analytischen / rationalen Überlegungen einen evolutionären Vorteil - sie entstehen meist automatisch und ohne jede geistige Anstrengung. Aus diesem Grund sind intuitiv geführte Entscheidungen relativ häufig bessere “Ratgeber” als die geliebte Vernunft des Menschen.

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