die Bewahrung der Schöpfung?!

bibel

Auf der Webseite www.scilogs.de beschreibt der Biologe Ludwig Trepl den Begriff Natur und scheut auch den Bezug zur Religion nicht. Interessant für mich sind dabei die Überlegungen, die sich mit der Natur und der Natürlichkeit beschäftigen. Er wirft die bereits oft gestellte Frage auf: Was ist Natur und welche Rolle darf der Mensch dabei spielen?“ ohne sich dabei in ehtischen Grundsätzen zu verfangen.

In diesen Artikel möchte ich auf einige seiner Sichtweisen eingehen, sozusagen darauf aus meinem Standpunkt heraus antworten, in der Hoffnung, dass sich vielleicht ein Dialog daraus bilden kann.

[...]das Ziel könne nur sein, daß die Natur so bleibt, wie sie von sich aus wäre, und das heißt: wie sie wäre, wenn es keine Menschen gäbe. [...] Aber das Prinzip bleibt: so wenig menschlicher Einfluß wie möglich. [...]

Warum soll es eine Natur ohne den Menschen geben? Ich kann Ihnen hier nur vollumfänglich zustimmen, denn ich glaube, Sie wollen auf die Tatsache hinaus, dass es den Menschen jetzt nunmal gibt, was wiederum heißt, dass es keine Natur ohne den Menschen gibt – heutzutage. Warum sollte das auch schlecht sein? Wir haben schließlich nicht selbst entschieden, dass wir existent sind.

[...] Warum soll nicht die Welt ohne Apollofalter, wie sie in einigen Millionen Jahren ohnehin wäre, der bewahrenswerte Zustand sein?[...]

An dieser Stelle möchte ich einmal den von mir erfundenen (weil damals google-technisch noch nicht aufgefürt) Wort Natürlichkeitsrecht kommen.

Jede Lebensform hat ein (Natürlichkeits)-Recht auf seine zufällig Existenz. Hat aber eine andere Lebensform das Recht dazu genau diese Existenz vorzeitig zu beenden? Es besteht doch einen Unterschied zwischen einer global gesehenen Ausrottung, also jener die unglaublich viele Aspekte in sich vereint und einer, die durch relativ wenige, weil nur durch eine Spezie abhängige Mechanismen / Handlungen geprägt ist?

Die Welt kann ohne den Apollofalter leben, wenn sie sich als ganzes dazu „entscheidet“ ohne ihn zu leben. Ist es aber sinnig diese „Entscheidung“ / die nötigen Voraussetzung für ein Aussterben einer einzigen Spezie – dem Menschen zu überlassen?

[...] Wenn in der Natur ständig alles anders wird, wenn das ihr Wesen ist, dann kann Naturschutz ja nur bedeuten, dieses ihr Wesen zu erhalten, also nichts zu erhalten, sondern alles laufen zu lassen, gar nichts zu tun. Damit kommt man aber in das Dilemma, daß dann zwar die Naturschützer nichts tun, aber doch der Rest der Menschheit. [...]

Ich glaube, dass ist zu einfach gedacht. Denn die natürliche Dynamik ist doch nur eine, wenn sie sich in alle Richtungen gleichermaßen „ausbreiten“ kann, ziemlich viele Glieder voneinander abhängig sind. Diese Ausbreitung wird aber massiv gestört, wenn sich alles nur noch in eine Richtung bewegt bzw. bewegen darf – eine Richtung, die allein für den Menschen angenehm und effektiv ist.

An der Stelle kann man auch gleich, und muss es meiner Meinung nach auch, deutlich zum Ausdruck bringen, dass die „Ausbreitung“ auch dann „gestört“ wird, wenn sich der Mensch so gut wie möglich zurückzieht. Wenn er Angst hat zu einem natürlichen Gleichgewichtsprozess hinzuzugehören, DANN ist er in einem Dilemma, denn dann hat er nicht verstanden, was er selbst ist – nämlich auch „nur“ ein Tier, wenngleich das „intelligenteste“.

[...] Und darum muß man, weil man die dadurch bewirkte Dynamik von der natürlichen Dynamik fernhalten muß, doch ständig in die Natur eingreifen. Wenn von Natur aus sich ein Birkenwald zu einem Eichenwald entwickeln würde, dann muß man halt die Robinien, die von Menschen eingefürht wurden und sich nun ausbreiten, aktiv entfernen, um diese natürliche Dynamik zu ermöglichen. Aber ist das, was dann abläuft, nun natürlich oder künstlich?

Auch wenn es nur ein Beispiel ist, zeigt es ein weiteres Dilemma, in das sich der Mensch gebracht hat. Wir wissen leider gar nicht bzw. nicht mehr, wie die Natur aussehen würde, in der sich der Mensch maßvoll verhält, denn diese kann höchstwahrscheinlich nur eine andere sein, als es ohne den Menschen der Fall wäre.

Woher wissen wir aber, um beim Beispiel zu bleiben, dass sich der Wald selbst zu einem Eichenwald entwickeln würde? Die Robinien, die nun einmal vorhanden sind und vielen Tierarten bereits ein Lebensraum geben, sind womöglich gar nicht mal so „schlecht“ für diesen Lebensraum. An dieser Stelle ist ein Nichtstun vielleicht doch angebrachter, da die Veränderung ja bereits stattgefunden und der Ursprung 0 vor dem Eingriff des Menschen niemals mehr erreicht werden kann. Vielleicht ist es richtig, dass der Mensch nur dann eingreift, wenn sich durch seine verursachten Veränderungen eine deutliche Vielfaltsarmut zeigt, bzw. viele Lebensräume unbeachtet zugrunde gehen.

[...] Was zeichnet gerade den Zustand, in dem wir die Natur jetzt vorfinden, aus? Und soll es wirklich gerade dieser Zustand sein?[...]

Das ist eine sehr gute Frage, die sich viele bekennende Naturschützer sicherlich noch gar nicht gestellt haben. Ich selbst berufe mich dabei wieder auf „mein“ Natürlichkeitsrecht.

Jeder Zustand, der keine Art übermäßig bevorteilt ist ein „guter“ Zustand, auf dem jede Art „schwimmen“ sollte, bis die gemeinsamen verzahnten Umstände einen neuen „guten“ Zustand modelieren. Ein solcher Zustand kann sich auch nur im Zusammenspiel aller Arten bilden – Menschen selbstverständlich eingeschlossen.

Ein jeder Zustand, der eine Art übervorteilt, bzw. in sich selbst übervorteilt, birgt eine Gefahr für das gesamte System, da diese Art – nennen wir sie beim Namen – der Mensch – sich gewissermaßen auch selbst dazu zwingt für alle anderen bestimmend zu sein, was nur einseitig enden kann, obwohl die Natur klar und deutlich auf „Vielseitigkeit“ setzt.

[...] Wir reden aber von Naturgesetzen auch in einem ganz anderen Sinn. Den Naturgesetzen zufolge wird ein Lebewesen geboren, es wächst heran, reift, stirbt einen natürlichen Tod. Es kann auch eines unnatürlichen Todes sterben, es kann vom Metzger oder von einem Raubtier getötet werden. Beides ist unnatürlich aus der Perspektive des sterbenden Wesens, es ist eine Störung des natürlichen Verlaufs – dessen, was das Gesetz dieses Organismus’ ist. Ich kann die Perspektive ändern, auf das ökologische System blicken, dann ist der Tod durch das Raubtier wieder natürlich, es gehört zum Naturgesetzlichen, zum Wesen einer Biozönose, daß dergleichen in ihr geschieht.[...]

Oder anders ausgedrückt – ein jedes Tier kann von einem gelegentlichen Fleischfresser (Schimpansen, Menschen [Metzger]) oder von einem reinen Fleischfresser (Raubtier) zu tote kommen. Auf die Unterschiede, die es meiner Meinung nach zusätzlich noch zu nennen gibt, möchte ich hier nicht eingehen, dafür auf den Artikel: Unterschied Mord und Tötung hinweisen.

Lesen Sie auf Seite 2 weiter!



4 Gedanken zu “die Bewahrung der Schöpfung?!

  1. Ludwig Trepl

    Kopie der Antwort auf http://www.scilogs.de/chrono/blog/landschaft-oekologie/biodiversitat-und-aussterben/2012-04-16/bewahrung-der-sch-pfung-und-schutz-der-nat-rlichen-dynamik

    Zunächst möchte ich betonen, daß ich in dem Artikel nicht selbst Position bezogen habe, sondern nur zwei üblichen heutigen Naturschützer-Positionen ein dritte, ältere gegenübergestellt habe. Ich bin mit keiner von den dreien einverstanden, sondern beschreibe nur, bzw. werte nur insofern, als ich die alte Auffassung für weitaus reflektierter halte, aber ich stimme ihr nur in Teilen zu.

    Unser Hauptdissens scheint mir dieser:

    Für Sie ist der Mensch eine biologische Spezies unter vielen („auch ‚nur’ ein Tier, wenngleich das ‚intelligenteste’“). Darum darf er sich nicht über die anderen stellen und das mit den anderen machen, was „allein für den Menschen angenehm und effektiv ist“. Natürlich ist der Mensch, biologisch betrachtet, nur eine Tierart unter vielen. Aber genau dann, wenn man ihn nur als eine biologische Spezies betrachtet, „darf“ er das mit den anderen machen. „Darf“ in Anführungszeichen, denn das Wort ist hier ganz unangebracht, es gibt kein Dürfen in der Natur. Ein Tier tut einfach, was für es gut ist. Eine Tierart kann, zu ihren Gunsten, zahllose andere ausrotten. Dadurch wird natürlich ein bestehendes Gleichgewicht zerstört, aber dann halt wieder ein anderes aufgebaut oder auch nicht, im Prinzip ist das aus der Sicht dieses Tieres egal.

    Nur wenn man den Menschen nicht als eine Art unter vielen betrachtet, sondern als etwas, was zwar auch Natur ist, aber zugleich mehr ist als alle Natur, gibt es überhaupt ein Problem mit dem, was er den anderen Arten gegenüber darf; sonst „darf“ er einfach alles, außer vielleicht gegen sich selbst arbeiten (das wäre Ihr „Natürlichkeitsrecht“, wenn ich es recht verstehe).

    Was aber erhebt ihn über alle Natur? Es ist nicht seine Intelligenz. Das ist auch nur eine Natureigenschaft, sie erhebt ihn über die Affen, die aber wiederum dadurch über den Menschen erhoben sind, daß sie besser klettern können.

    Nein, es ist die Tatsache, daß er moralfähig ist. (Und wenn er sich dieser Tatsache entsprechend verhält, so hat man früher geglaubt, dann kommt er in eine Welt jenseits aller Natur, ins „Jenseits“ eben, ins „ewige Leben“.) Moralfähig heißt, daß er in der Lage ist, gegen alle natürlichen Neigungen, gegen alles, was ihn dahin zieht, das zu tun, was für ihn „angenehm und effektiv“ ist, sich für das „Richtige“ (das im moralischen Sinn Gute) zu entscheiden. Das Richtige kann z. B. sein, Tiere für sich zu nutzen (also das zu tun, was ein Tier einfach tut, aber der Mensch als moralfähiges Wesen kann und muß fragen, ob er das auch tun darf). Das Richtige kann z. B. auch sein, aus Verantwortung für andere (andere Menschen oder auch Tiere) Pflichten zu übernehmen und gerade nicht den eigenen Vorteil zu verfolgen. – In einem Artikel hier in diesem Blog („Kant und der Tierschutz“) habe ich das näher ausgeführt, allerdings im Zusammenhang mit einer bestimmten Philosophendiskussion, ich weiß nicht, ob Sie damit etwas anfangen können.

    Nur auf diese Weise, d. h. indem man berücksichtigt, daß der Mensch unendlich über allen Tieren steht, läßt sich ein Grund dafür finden, warum dem Menschen die anderen Tierarten nicht ebenso gleichgültig sein sollten wie eine Tierart der anderen.

    Zur Frage des „Gärtnerns“ und der ganzen zugehörigen klassisch-konservativen Naturschutzauffassung demnächst.

  2. Alesandra Autor des Artikels

    Guten Tag

    [...]Aber genau dann, wenn man ihn nur als eine biologische Spezies betrachtet, „darf“ er das mit den anderen machen. „Darf“ in Anführungszeichen, denn das Wort ist hier ganz unangebracht, es gibt kein Dürfen in der Natur. Ein Tier tut einfach, was für es gut ist.[...]

    Mit “dürfen” habe ich tatsächlich auch den Zustand gemeint, wobei ein Tier einfach das tut, was das Tier eben ausmacht (Fleischfresser,…)

    [...]Nur wenn man den Menschen nicht als eine Art unter vielen betrachtet, sondern als etwas, was zwar auch Natur ist, aber zugleich mehr ist als alle Natur, gibt es überhaupt ein Problem mit dem, was er den anderen Arten gegenüber darf; sonst „darf“ er einfach alles, außer vielleicht gegen sich selbst arbeiten (das wäre Ihr „Natürlichkeitsrecht“, wenn ich es recht verstehe). [...]

    Welches Gleichgewicht “baut” der Mensch denn gerade auf? Soweit ich das verstanden habe, “baut” er die Artenvielfalt doch gerade im rasanten Tempo ab und das obwohl genau diese Artenvielfalt maßgeblich für die Produktivität der Natur verantwortlich ist. (siehe http://www.only-one-world.de/2010/10/gefahrdete-biodiversitat/

    Hier ist wohl die Perspektive sehr entscheidend, denn ich bin der Überzeugung, dass es nur anders herum “rechtens” ist und sein kann. Denn wenn der Mensch mehr ist als die Natur, dann hieße das für mich, dass er ohne diese in der Lage ist zu existieren. Und genau nur dann könnte er sorglos jeglichen Lebensraum vernichten sowie andere Tier- und auch Pflanzenarten ausrotten, weil er eine “funktionierende Natur” gar nicht braucht.

    Natur ist für mich auch ein Zustand des Wachsens und Sterbens. Jedes Getreidekorn, jede Kuh die wächst, tut dies nicht weil der Mensch das gern so will bzw. sie pflegt, sondern weil das von der Natur “so vorgesehen” ist. Selbiges gilt natürlich auch für den Menschen.

    [...]Was aber erhebt ihn über alle Natur? Es ist nicht seine Intelligenz. [...] Nein, es ist die Tatsache, daß er moralfähig ist.[...]

    [...]Moralfähig heißt, daß er in der Lage ist, gegen alle natürlichen Neigungen, gegen alles, was ihn dahin zieht, das zu tun, was für ihn „angenehm und effektiv“ ist, sich für das „Richtige“ (das im moralischen Sinn Gute) zu entscheiden. [...]

    Das Richtige kann z. B. auch sein, aus Verantwortung für andere (andere Menschen oder auch Tiere) Pflichten zu übernehmen und gerade nicht den eigenen Vorteil zu verfolgen.

    Moral bedeutet für mich hauptsächlich die Sitten und Gebräuche, denen man als Mitglied einer kulturellen Gemeinschaft zu folgen hat, als “gut” zu empfinden und sie auch genau deswegen einer anderen “schlechten” vorzuziehen, auch wenn diese Handlung nicht direkt und oder hauptsächlich dem eigenen Vorteil dienlich ist. Man tut also in den meisten Fällen das “moralisch Richtige” für die Gruppe nicht für sich selbst, das ist mir auch bewusst.

    Aber wir glauben gern, dass nur wir selbst zu uneigennützigen Handlungen in der Lage sind. Doch hier darf doch zumindest die Frage erlaubt sein: Stimmt das denn auch in allen Fällen? (Ameisen sind schließlich keine Schimpansen) Ich bezweifle das stark, zumal die Tatsache ja immerhin “schon” bekannt ist, dass nicht nur Menschen in einer Gemeinschaft leben und in ihr als Zusammenfügung besser und “leichter” leben können, als ein einzelnes Indidividuum dieser Art.

    Ratten beispielsweise können auch moralisch handeln, indem sie bei der Wahl, Nahrung mit einem eingesperrten Artgenossen zu teilen oder dies allein zu genießen, sich in den meisten Fällen dazu entscheiden, erst den Artgenossen zu befreien und das Mahl mit ihm zu teilen. (zu lesen in der Spektrum der Wissenschaftausgabe 2/12)

    Außerdem ist die menschliche Handlungsweise ob nun “gut” oder “böse” niemals zu 100 % selbstbestimmend (siehe http://www.only-one-world.de/2012/03/menschliches-entscheidungsverhalten/ Anders als Sie, interpretiere ich diesen Prozess aber nicht als “Eine Tierart kann, zu ihren Gunsten, zahllose andere ausrotten.” da alle anderen Tierarten “scheinbar” nach dieser Regel vorgehen.

    Denn genauer betrachtet senkt das Gleichgewichtsgefüge untereinander ihren Egoismus auf ein “erträgliches Maß” herunter. Das ist der Grund warum ich von einer Grenze ausgehe, zu der sich nicht die Art selbst verpflichtet, sondern alle anderen Arten um sie herum, ein Hauptgrund, warum die Natur meiner Meinung nach die Artenvielfalt “schätzt”. Und genau DAS fehlt doch offensichtlich beim Menschen. Er hat im Glauben, dass er die Natur beherrschen kann, diese Grenzen zerstört, die sich in Form von Hungernöten, Fettleibigkeit und Platzmangel / Überbevölkerung zeigen.

    Eine interessante Frage an der Stelle ist aber eine andere: Warum gibt es Menschen, die die Natur und ihre Geschöpfe schützen möchten und warum welche, denen das so egal ist, wie dem Fisch das Fahrrad?

    Meine Antwort ist das “Streben” der Natur nach einen Ausgleich – nach einer Richtigstellung – nach einem funktionierenden Gleichgewicht bzw. Gegengewicht und da dies offensichtlich durch andere Arten nicht mehr “korrigiert” bzw. “übernommen” werden kann, muss die gefährliche Spezie selbst ihren Fehler begreifen. Das ist übrigens auch meine Antwort auf die Frage: “Warum gibt es menschliche Intelligenz (kognitive Fähigkeiten sind einzigartig im Tierreich) überhaupt?” was wohl auch für die Moral gilt.

    Der Mensch “darf” also nicht nur Mensch sein, er “muss” es mittlerweile auch.

    [...]Das Richtige kann z. B. sein, Tiere für sich zu nutzen (also das zu tun, was ein Tier einfach tut, aber der Mensch als moralfähiges Wesen kann und muß fragen, ob er das auch tun darf).[...]

    Wenn mit dem Nutzen hier das sich davon ernähren gemeint ist, dann stimme ich Ihnen zu. Ist mit dem Nutzen allerdings das (Zer)züchten von sogenannten Haus- und Nutztieren und der Freiheitsentzug gemeint, dann sehe ich darin eine Fehlinterpretation der Tatsachen. Denn das Wohl einer Tierart kann im Sinne eines Gleichgewichts nie die Abwertung (zum Gegenstand) einer oder sogar mehreren Tierarten bedeuten. Denn dann hätte es die Natur in ihren millionenjahre langen Bestehen schon längst in deutlicher Form “getan”, dh. würden auch beispielsweise Schimpansen potenzielle Beutetiere bis zum Verzehr in Käfige sperren. Doch nur der Mensch erkennt das Individualrecht einer anderen Tierart nicht an, was Tierschützer auch unter den Begriff Tierquälerei zusammenfassen.

    Weder die zu tote gehetzte Antilope, noch der wenige Monate alte Stummelaffe waren vor ihrem vorzeitigen und definitiv grausamen Tod (einerseits ausgelöst durch Löwen andererseits durch Schimpansen) nichts weiter als vor sich hinwachsendes Fleisch, dann das impliziert dass sich dieses “Fleisch” von Beginn an nur als Fleisch betrachten “darf”.

    Oder anders ausgedrückt. Die Natur hat das Schwein nicht dazu “verurteilt”, nur Fleisch und kein Individuum zu sein. Wäre das der Fall, würde das Mastschwein durch aktuten Stress bedingt (Enge, Langeweile, Angst,…), nicht dazu neigen sich in der Not gegenseitig halb to zu fressen. Das kann der Tierart Mensch nicht egal sein, weil sie moralisch korrekt handeln will, sondern weil sie sich damit selbst beispielsweise in Fettsucht treibt und die Gülle dieser Schweine die Umwelt stark belasten. Unnatürlichkeit wiegt in meinen Augen erheblich mehr als menschliche Moral, auch wenn beide in vielen Situation Hand in Hand gehen, ist es doch nicht “dasselbe”.

    Wir können nur hoffen, dass das Mastschwein nicht weiß, das es nicht mehr als Fleisch sein “darf”. Aber genauso wie wir zu wissen glauben, dass dafür die schweinischen Fähigkeiten nicht ausreichen, kann man das Gegenteil behaupten und oder glauben. Denn der Mensch betrachtet das Schwein schließlich nicht aus der Sicht eines Schweines, sondern logischerweise aus seiner eigenen.

    Selbst wenn Sie an eine Moral glauben, dessen Fähigkeit durch eben seine eigenen Fähigkeiten nur der Mensch hervorbringen kann, wird diese augenscheinlich von der Weltbevölkerung nicht gelebt – die Menschheit handelt höchst unmoralisch (das mögliche “Können” bringt nichts, wenn sich daraus kein “Machen” formen lässt), was ich persönlich und ich bin der Meinung auch treffender mit dem Begriff unnatürlich beschreibe. Unnatürlich aus dem Grund weil es der Natur (als Ganzes drum herum) erheblichen Schaden zufügt, ob das nun moralisch oder unmoralisch ist interessiert die Natur mit Sicherheit herzlich wenig.

    – In einem Artikel hier in diesem Blog („Kant und der Tierschutz“) habe ich das näher ausgeführt, allerdings im Zusammenhang mit einer bestimmten Philosophendiskussion, ich weiß nicht, ob Sie damit etwas anfangen können.[...]

    Ok, das werde ich mir später einmal durchlesen und mich gegebenfalls dort äußern.

    Nur auf diese Weise, d. h. indem man berücksichtigt, daß der Mensch unendlich über allen Tieren steht, läßt sich ein Grund dafür finden, warum dem Menschen die anderen Tierarten nicht ebenso gleichgültig sein sollten wie eine Tierart der anderen.

    Dem kann ich schon deswegen nicht zustimmen, da ich der Überzeugung bin, dass die derzeitigen Probleme, die durch Menschen verursacht wurden (Klimaerwärumung, Atomenergie) eben genau deswegen zu Problemen geworden sind, weil er glaubt unendlich über allen anderen Tierarten und der Natur zu stehen. Dann damit nimmt er sich selbst die Chance auf ein gleichgewichtsorientiertes Leben in der Natur.

  3. Ludwig Trepl

    Kopie der Antwort auf http://www.scilogs.de/chrono/blog/landschaft-oekologie/biodiversitat-und-aussterben/2012-04-16/bewahrung-der-sch-pfung-und-schutz-der-nat-rlichen-dynamik

    Es war offensichtlich ohne Erfolg, was ich zu sagen versuchte.
    Sie sagen, daß der Mensch nicht ohne Rücksicht auf Tiere und das Ganze der Natur handeln dürfe. Ich sage genau dasselbe. Aber Sie sagen, ohne die geringste Rücksicht darauf, daß ich ihnen zugestimmt habe, nach wie vor, ich würde behaupten, der Mensch dürfe ohne Rücksicht auf Tiere und das Ganze der Natur handeln. Und woher nehmen Sie das? Daher, daß ich geschrieben habe, daß der Mensch unendlich über allen anderen Tierarten steht insofern, als er ein moralfähiges Wesen ist. Das ist doch etwas vollkommen anderes als Sie mir unterstellen. Ich sage das, um zu zeigen, daß der Mensch (und alle anderen Vernunftwesen, die es in der Welt noch geben mag) eben wissen kann, daß er Rücksicht zu nehmen hat und Verantwortung trägt, während das ein Tier nicht kann und sich eben auch nicht so verhält (das Rattenexperiment mit dem „altruistischen“ Verhalten der Tiere haben Sie nicht richtig verstanden, aber das würde hier zu weit führen). Ich betone, daß das „über den Tieren stehen“ nichts mit seiner Intelligenz zu tun hat, Sie behaupten unerschütterlich, daß genau das meine Meinung sei. Ich weiß einfach nicht, wie ich es noch sagen soll, es kann doch gar nicht sein, daß man das nicht versteht.

    Noch ein paar einzelne Dinge:

    „… diese Artenvielfalt maßgeblich für die Produktivität der Natur verantwortlich ist“. Das ist überwiegend falsch, auch wenn es stimmt, daß man oft die Produktivität durch Erhöhung der Artenzahl steigern kann. Aber meist sind die hochproduktiven Ökosysteme artenarm.

    „Welches Gleichgewicht ‚baut’ der Mensch denn gerade auf? Soweit ich das verstanden habe, ‚baut’ er die Artenvielfalt doch gerade im rasanten Tempo ab“.
    Gewiß. Doch im Zuge dessen werden sich immer wieder neue Gleichgewichte herstellen, die einige Zeit einigermaßen halten. Aber wofür ist das wichtig? Was wollen Sie damit sagen?

    „Moral bedeutet für mich hauptsächlich die Sitten und Gebräuche, denen man als Mitglied einer kulturellen Gemeinschaft zu folgen hat, als ‚gut’ zu empfinden und sie auch genau deswegen einer anderen ‚schlechten’ vorzuziehen, auch wenn diese Handlung nicht direkt und oder hauptsächlich dem eigenen Vorteil dienlich ist.“

    Da verwechseln Sie etwas: Die Moral, wie das in der Regel in den ethischen Diskussionen gemeint ist, also das, was wir objektiv sollen, und die unterschiedlichen Moralvorstellungen in den verschieden Zeiten und Kulturen.

    Ich habe mich allein auf ersteres bezogen. Da aber gilt das „nicht direkt und oder hauptsächlich dem eigenen Vorteil dienlich“ keineswegs. Wer selbst für andere in den Tod geht, weil er der Überzeugung ist, anders zu handeln sei moralisch verwerflich, der hat einfach keinerlei eigenen Vorteil, der tritt nicht nur relativ zurück. Ihm zu unterstellen, er mache das wegen des guten Gefühls, ein guter Mensch zu sein (was natürlich auch vorkommt), enthält erstens einen Denkfehler und zweites zeugt es von einer niederen Gesinnung, die man auf den anderen projiziert.

    „Selbst wenn Sie an eine Moral glauben, dessen Fähigkeit durch eben seine eigenen Fähigkeiten nur der Mensch hervorbringen kann, wird diese augenscheinlich von der Weltbevölkerung nicht gelebt“.

    Ja; die Moral, die wir objektiv haben sollen (und das wissen wir, das glauben wir nicht nur), ist immer etwas Aufgegebenes, etwas, wonach man suchen muß und von dem man sich nur manchmal hinreichend sicher ist (sicher nur im Hinblick darauf, daß man weiß, was das Richtige wäre, nicht, daß man wirklich moralischen Beweggründen folgt und nicht eigennützigen; da kann man sich nie sicher sein). Und es liegt auf der Hand, daß “die Weltbevölkerung” nicht so lebt, wie sie sollte und nicht einmal so, wie sie (vielleicht irrtümlich) glaubt, das sie sollte. Aber daß die Moral nicht gelebt wird, ändert nicht das geringste daran, daß sie gelebt werden sollte. Ein klassisches Beispiel aus der Literatur: Selbst wenn es keinen einzigen Fall wahrer Freundschaft je gegeben hätte, so ändert das nichts daran, daß es wahre Freundschaft geben soll.
    Sie selbst halten sich doch auch daran: Daß die Menschheit in ihrer Mehrheit nichts gegen Massentierhaltung hat und wenn doch, dann keine Konsequenzen daraus zieht, bringt Sie nicht dazu zu sagen: na gut, so sind eben die Sitten und Gebräuche heutzutage, richte ich mich halt auch danach. Sie tun vielmehr, was Sie als objektiv richtig erkannt haben. Und Sie sagen nicht: Ich tute das, was meiner (vielleicht erziehungsbedingten) Meinung entspricht, sollen halt die anderen nach der ihren leben und eine Hühnerfabrik betreiben, sondern Sie sagen: die handeln verwerflich; nicht nur meiner Meinung nach verwerflich.

    – Nur darum geht es in unserem Zusammenhang: Die „unendliche Überlegenheit“ – man nennt sie auch Menschenwürde – kommt nicht daher, daß der Mensch gut ist, sondern daß er die Fähigkeit dazu hat und das Wissen, daß er dementsprechend leben sollte.

    „Anders als Sie, interpretiere ich diesen Prozess aber nicht als ‚Eine Tierart kann, zu ihren Gunsten, zahllose andere ausrotten.’ da alle anderen Tierarten ‚scheinbar’ nach dieser Regel vorgehen. Denn genauer betrachtet senkt das Gleichgewichtsgefüge untereinander ihren Egoismus auf ein ‚erträgliches Maß’ herunter.“

    Das ist biologisch falsch (mit den vorigen Fragen, den moralischen, hat es nichts zu tun). Ich weiß nicht, wie viele Arten, aber es waren ungeheuer viele, wohl die meisten, die ausgerottet wurden, und zwar durch andere Arten.
    Sie verwechseln die relativen ökologischen Gleichgewichte, die sich immer wieder mal für einige Zeit einstellen, mit dem, was man organisches Gleichgewicht genannt hat. Letztere sind innere. Da wird ein bestimmter Zustand sozusagen zum Wohle des Ganzen aufrechterhalten. Ein Beispiel ist die Aufrechterhaltung einer bestimmten Körpertemperatur trotz wechselnder Außentemperatur bei „Warmblütern“. Ökologische Gleichgewichte dagegen sind äußere. Da halten sich gegeneinander gerichtete Kräfte temporär die Wage. Eine Räuberart frißt u.U. nur so viel von einer Beutepopulation weg, daß beide nebeneinander längere Zeit auf Dauer existieren können. Das geschieht z. B., weil sich immer einige Mitglieder der Beutepopulation verstecken können. Schaffen sie das nicht, rottet die Räuberpopulation die Beutepopulation aus, ohne jede „Rücksicht“ auf die Folgen, ob sie evtl. selbst ausstirbt oder nicht. Es gibt hier keine Analogie zu einem übergeordneten Ziel der Selbsterhaltung des Ganzen wie innerhalb eines Organismus. Anderes Beispiel: Bestimmte „Erfindungen“ führten in der Evolution zu Massenaussterben, z. B. die Bedecksamigkeit zum Massenaussterben der Gymnospermen.

  4. Alesandra

    Guten Morgen

    erst einmal möchte ich mich dafür bedanken, dass Sie sich die Zeit genommen haben sozusagen mit einem Laien über diese doch komplexe Thematik zu diskutieren. Auch wenn es nicht so aussah und ich mich an einigen Stellen zu unpräzise ausgedrückt habe, Sie haben mir durchaus weitergeholfen, die Dinge “klarer” zu sehen.

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