die Bewahrung der Schöpfung?!

Auf der Webseite www.scilogs.de beschreibt der Biologe Ludwig Trepl den Begriff Natur und scheut auch den Bezug zur Religion nicht. Interessant für mich sind dabei die Überlegungen, die sich mit der Natur und der Natürlichkeit beschäftigen. Er wirft die bereits oft gestellte Frage auf: Was ist Natur und welche Rolle darf der Mensch dabei spielen?“ ohne sich dabei in ehtischen Grundsätzen zu verfangen.

In diesen Artikel möchte ich auf einige seiner Sichtweisen eingehen, sozusagen darauf aus meinem Standpunkt heraus antworten, in der Hoffnung, dass sich vielleicht ein Dialog daraus bilden kann.

[…]das Ziel könne nur sein, daß die Natur so bleibt, wie sie von sich aus wäre, und das heißt: wie sie wäre, wenn es keine Menschen gäbe. […] Aber das Prinzip bleibt: so wenig menschlicher Einfluß wie möglich. […]

Warum soll es eine Natur ohne den Menschen geben? Ich kann Ihnen hier nur vollumfänglich zustimmen, denn ich glaube, Sie wollen auf die Tatsache hinaus, dass es den Menschen jetzt nunmal gibt, was wiederum heißt, dass es keine Natur ohne den Menschen gibt – heutzutage. Warum sollte das auch schlecht sein? Wir haben schließlich nicht selbst entschieden, dass wir existent sind.

[…] Warum soll nicht die Welt ohne Apollofalter, wie sie in einigen Millionen Jahren ohnehin wäre, der bewahrenswerte Zustand sein?[…]

An dieser Stelle möchte ich einmal den von mir erfundenen (weil damals google-technisch noch nicht aufgefürt) Wort Natürlichkeitsrecht kommen.

Jede Lebensform hat ein (Natürlichkeits)-Recht auf seine zufällig Existenz. Hat aber eine andere Lebensform das Recht dazu genau diese Existenz vorzeitig zu beenden? Es besteht doch einen Unterschied zwischen einer global gesehenen Ausrottung, also jener die unglaublich viele Aspekte in sich vereint und einer, die durch relativ wenige, weil nur durch eine Spezie abhängige Mechanismen / Handlungen geprägt ist?

Die Welt kann ohne den Apollofalter leben, wenn sie sich als ganzes dazu „entscheidet“ ohne ihn zu leben. Ist es aber sinnig diese „Entscheidung“ / die nötigen Voraussetzung für ein Aussterben einer einzigen Spezie – dem Menschen zu überlassen?

[…] Wenn in der Natur ständig alles anders wird, wenn das ihr Wesen ist, dann kann Naturschutz ja nur bedeuten, dieses ihr Wesen zu erhalten, also nichts zu erhalten, sondern alles laufen zu lassen, gar nichts zu tun. Damit kommt man aber in das Dilemma, daß dann zwar die Naturschützer nichts tun, aber doch der Rest der Menschheit. […]

Ich glaube, dass ist zu einfach gedacht. Denn die natürliche Dynamik ist doch nur eine, wenn sie sich in alle Richtungen gleichermaßen „ausbreiten“ kann, ziemlich viele Glieder voneinander abhängig sind. Diese Ausbreitung wird aber massiv gestört, wenn sich alles nur noch in eine Richtung bewegt bzw. bewegen darf – eine Richtung, die allein für den Menschen angenehm und effektiv ist.

An der Stelle kann man auch gleich, und muss es meiner Meinung nach auch, deutlich zum Ausdruck bringen, dass die „Ausbreitung“ auch dann „gestört“ wird, wenn sich der Mensch so gut wie möglich zurückzieht. Wenn er Angst hat zu einem natürlichen Gleichgewichtsprozess hinzuzugehören, DANN ist er in einem Dilemma, denn dann hat er nicht verstanden, was er selbst ist – nämlich auch „nur“ ein Tier, wenngleich das „intelligenteste“.

[…] Und darum muß man, weil man die dadurch bewirkte Dynamik von der natürlichen Dynamik fernhalten muß, doch ständig in die Natur eingreifen. Wenn von Natur aus sich ein Birkenwald zu einem Eichenwald entwickeln würde, dann muß man halt die Robinien, die von Menschen eingefürht wurden und sich nun ausbreiten, aktiv entfernen, um diese natürliche Dynamik zu ermöglichen. Aber ist das, was dann abläuft, nun natürlich oder künstlich?

Auch wenn es nur ein Beispiel ist, zeigt es ein weiteres Dilemma, in das sich der Mensch gebracht hat. Wir wissen leider gar nicht bzw. nicht mehr, wie die Natur aussehen würde, in der sich der Mensch maßvoll verhält, denn diese kann höchstwahrscheinlich nur eine andere sein, als es ohne den Menschen der Fall wäre.

Woher wissen wir aber, um beim Beispiel zu bleiben, dass sich der Wald selbst zu einem Eichenwald entwickeln würde? Die Robinien, die nun einmal vorhanden sind und vielen Tierarten bereits ein Lebensraum geben, sind womöglich gar nicht mal so „schlecht“ für diesen Lebensraum. An dieser Stelle ist ein Nichtstun vielleicht doch angebrachter, da die Veränderung ja bereits stattgefunden und der Ursprung 0 vor dem Eingriff des Menschen niemals mehr erreicht werden kann. Vielleicht ist es richtig, dass der Mensch nur dann eingreift, wenn sich durch seine verursachten Veränderungen eine deutliche Vielfaltsarmut zeigt, bzw. viele Lebensräume unbeachtet zugrunde gehen.

[…] Was zeichnet gerade den Zustand, in dem wir die Natur jetzt vorfinden, aus? Und soll es wirklich gerade dieser Zustand sein?[…]

Das ist eine sehr gute Frage, die sich viele bekennende Naturschützer sicherlich noch gar nicht gestellt haben. Ich selbst berufe mich dabei wieder auf „mein“ Natürlichkeitsrecht.

Jeder Zustand, der keine Art übermäßig bevorteilt ist ein „guter“ Zustand, auf dem jede Art „schwimmen“ sollte, bis die gemeinsamen verzahnten Umstände einen neuen „guten“ Zustand modelieren. Ein solcher Zustand kann sich auch nur im Zusammenspiel aller Arten bilden – Menschen selbstverständlich eingeschlossen.

Ein jeder Zustand, der eine Art übervorteilt, bzw. in sich selbst übervorteilt, birgt eine Gefahr für das gesamte System, da diese Art – nennen wir sie beim Namen – der Mensch – sich gewissermaßen auch selbst dazu zwingt für alle anderen bestimmend zu sein, was nur einseitig enden kann, obwohl die Natur klar und deutlich auf „Vielseitigkeit“ setzt.

[…] Wir reden aber von Naturgesetzen auch in einem ganz anderen Sinn. Den Naturgesetzen zufolge wird ein Lebewesen geboren, es wächst heran, reift, stirbt einen natürlichen Tod. Es kann auch eines unnatürlichen Todes sterben, es kann vom Metzger oder von einem Raubtier getötet werden. Beides ist unnatürlich aus der Perspektive des sterbenden Wesens, es ist eine Störung des natürlichen Verlaufs – dessen, was das Gesetz dieses Organismus’ ist. Ich kann die Perspektive ändern, auf das ökologische System blicken, dann ist der Tod durch das Raubtier wieder natürlich, es gehört zum Naturgesetzlichen, zum Wesen einer Biozönose, daß dergleichen in ihr geschieht.[…]

Oder anders ausgedrückt – ein jedes Tier kann von einem gelegentlichen Fleischfresser (Schimpansen, Menschen [Metzger]) oder von einem reinen Fleischfresser (Raubtier) zu tote kommen. Auf die Unterschiede, die es meiner Meinung nach zusätzlich noch zu nennen gibt, möchte ich hier nicht eingehen, dafür auf den Artikel: Unterschied Mord und Tötung hinweisen.

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